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  • Wilde + Spieth Designmöbel GmbH & Co. KG, Esslingen

    „Kinderchen könnt ihr eigentlich auch Stühle bauen?”

    Es ist Egon Eiermann, einer der bedeutendsten Nachkriegsarchitekten und -designer, der diese richtungsweisende Frage stellt. Im selben Jahr beginnt er, gemeinsam mit dem bisherigen Rollladenbauer Wilde + Spieth, etwas ganz Neues: die Entwicklung von Serienmöbeln – seine Formholzstühle.

    Erster Möbelauftrag: Mustermöbel für die Ausstellung „Wie wohnen?”, die 1949 in Stuttgart und Karlsruhe gezeigt wird und deren Schwerpunkt der soziale Wohnungsbau ist. Wohnen wie vor dem Krieg ist nicht mehr möglich. In den kleinen Wohnungen gibt es für die früheren großen und unveränderlichen Möbel keinen Platz mehr. In Musterwohnungen werden Möbel, die den neuen Bedürfnissen entsprechen, gezeigt – leicht, beweglich, raumsparend, zusammenklappbar, Mehrzweckmöbel.

    Eiermann entwirft für „Wie wohnen?” die Einrichtung für eine Vierzimmerwohnung, äußerst einfach und bescheiden. Und aus Wilde + Spieth, dem traditionellen Handwerksbetrieb – 1831 als Schreinerei gegründet -  wird ein Designmöbelunternehmen. Es ist der Anfang einer jener produktiven Partnerschaften, bei denen ein Designer und ein Unternehmen im richtigen Moment aufeinander treffen.

    „Die Ökonomie”, sagt Egon Eiermann, „ist Bestandteil der Ästhetik.” Und so beginnt er auch die gemeinsame Serienproduktion. Er fordert von allen Beteiligten höchste Leistungen, bis das jeweilige Modell „gut, schön und billig” ist. Es wird so lange an den Details gearbeitet, bis er sicher ist, „dass all das, was die Werkstätten von Wilde + Spieth gleichzeitig unter meinem Namen verlässt, Dinge sind, die man nicht besser machen kann.”

    Allein bis 1950 entstehen bei Wilde + Spieth sieben verschiedene Eiermann-Serienmodelle. Und bis zu seinem Tod 1970 sind es über 30. Gerade seine Möbel zwischen 1949 und 1953 begründen Eiermanns Bedeutung als einflussreichster deutscher Möbelgestalter der 50er Jahre. Berühmt sind insbesondere die Stühle in Stahlrohr und Sperrholz aus den Anfangsjahren der Zusammenarbeit, die in ihrer Sachlichkeit zu Klassikern der Nachkriegsmoderne werden. Im Gegensatz zu ihren Vorläufern der klassischen Moderne, an die Eiermann anknüpft, finden sie aber auch den Weg in den Alltag der Menschen.

    Der Absatz der Eiermann’schen Sitzmöbel steigt derart an, dass schon Anfang der 60er Jahre Wilde + Spieth eine neue Fabrik bauen muss und die Fertigung von Rollläden bald ganz eingestellt wird. Bereits in den 50er Jahren nimmt Wilde + Spieth weitere moderne Architekten ins Programm.  Dazu gehören Paul Schneider-Esleben, Herta-Maria Witzemann und der frühere Eiermann-Mitarbeiter Herbert Hirche.

    Viele der modernen Eiermann’schen Klassiker sind noch heute auf dem Markt, darunter der Formholzstuhl SE 68 von 1950, der Klappstuhl SE 18 und der Klapptisch SE 319 -  beide von 1952. Andere wurden wieder aufgelegt.

    2004 – pünktlich zu Egon Eiermanns 100. Geburtstag – wird das Unternehmen nach einer überstandenen Krise als Wilde + Spieth Designmöbel GmbH & Co. KG neu gegründet und seitdem von Thomas Gerber geleitet, der die Tradition fortführt, indem er auf persönliche Beziehungen und Qualität setzt und mit maßgeblichen Architekten zusammen arbeitet. So kommen beispielsweise 2008 ein einzigartiger, völlig asymmetrischer Stahlrohrstuhl von Daniel Libeskind und ein innovativer Stuhl von Thore Garbers auf den Markt.

    www.wilde-spieth.com