Geburtsstunden: Vom Kühlen, Schrauben und Bohren
Auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1933 gibt es eine Überraschung: eine liegende Trommel mit Tür zieht die Blicke der Fachwelt und der Verbraucher auf sich. Bosch stellt das erste Hausgerät aus eigener Produktion vor, einen elektrisch betriebenen Kühlschrank für Privathaushalte.
363 Kühlschränke in Trommelform verlassen 1933 das Stuttgarter Bosch-Werk. Das ist für Bosch die Geburtsstunde des Produktbereichs „Hausgeräte”. Lange Zeit hat es in dem von Robert Bosch 1886 ursprünglich als „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik” gegründeten Unternehmen nur ein einziges Geschäftsfeld gegeben, die Kraftfahrzeugtechnik. Als 1925 und 1926 eine Krise die europäische Kraftfahrzeugindustrie erschüttert, beginnt Robert Bosch die Abhängigkeit von dieser Branche zu reduzieren und erweitert sein Unternehmen um weitere Geschäftsfelder.
Obwohl der Markt für elektrische Kühlschränke in Europa in der 1930er Jahren erst im Entstehen ist, analysiert Bosch das Kaufverhalten der Konsumenten genau und findet heraus, dass das runde Modell nicht überall auf Zustimmung stößt. So wird 1936 die „Trommel” durch einen geräumigeren, kastenförmigen Kühlschrank – nun bereits mit einem Gefrierfach – ersetzt, der schnell zum Standard in deutschen Haushalten wird. Vor allem, als die Temperaturen in den Tiefkühlbereich sinken, verändert der Kühlschrank auch die Essgewohnheiten. Der Speisezettel wird unabhängiger von der Jahreszeit. Und der Einkauf rationeller. Mutters Eingefrorenes verdrängt mehr und mehr Mutters Eingemachtes, da Einfrieren vielseitiger und gesünder ist und zudem Zeit spart.
Mit den Bosch-Nachfolgegeräten im Stromliniendesign ab 1950 beginnt der kommerzielle Erfolg: Moderne Fertigungsmethoden lassen nun die Preise erheblich sinken und beschleunigen die flächendeckende Ausrüstung der Haushalte mit elektrischen Kühlschränken, so dass in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre der Kühlschrank zum Standard wird.
Passend zur Vorliebe für die gesunden und leichten (Bio-)Lebensmittel unserer Tage entwickelt Bosch heute Kühl- und Gefriergeräte, die Lebensmittel wertbewusst und schonend behandeln. Sie bestechen nicht nur durch perfekte Technik und hohe ökologische Standards, sondern vor allem auch durch ihr herausragendes Design.
2008 – 75 Jahre nach dem ersten Bosch-Kühlschrank – kommt der Kühl- und Gefrierautomat KGN 36 S heraus, der die gesamte Erfahrung aus 75 Jahren Kühltechnik widerspiegelt, perfekt verarbeitet und zeitlos schön gestaltet. Die farbige Materialität dieses Gerätes passt sich dem Trend der offenen Küchen ausgezeichnet an. Heute bietet Bosch für jeden Bedarf das passende Kühlgerät an: Kühlschränke, Gefriertruhen, Kühl-/Gefrierkombinationen bis hin zu Weinlagerschränken.
Robert Bosch ist mehr Unternehmer als Erfinder. Bei ihm und auch seinen Nachfolgern ist es vor allem das untrügliche Gespür für interessante Erfindungen und erfolgversprechende Ideen, das den Aufstieg des Unternehmens von der kleinen Werkstatt zum Technologiekonzern befördert.
Als Bosch eine elektrische Haarschneidemaschine sieht mit einem kleinen Elektromotor im Handgriff, beauftragt er seine Konstruktionsabteilung sofort mit der Weiterentwicklung. In kürzester Zeit gelingt es, ein marktgerechtes Haarschneidegerät zu entwickeln, das 1928 unter dem Namen „Forfex” herauskommt.
Damit nicht genug. Die Bosch-Ingenieure nutzen nämlich die Basiskonstruktion des Haarschneiders für handliche Elektrowerkzeuge, die in der eigenen Fertigung von Dieseleinspritzpumpen dringend benötigt werden – die Geburtsstunde des Elektrowerkzeuges. Mit dem „Motor im Handgriff” erschließt sich Bosch ein neues Anwendungsgebiet, das den Menschen die Arbeit in Industrie, Handwerk und im Haus erheblich erleichtern sollte: Der Bosch-Handmotor kann zum Bohren, Fräsen, Bürsten, Schleifen und Polieren eingesetzt werden.
Bereits 1930 sind die ersten Elektrowerkzeuge reif für den Einsatz. Sie bewähren sich so gut, dass Bosch die Konstruktion schon zwei Jahre später als „Handmotor” auf den Markt bringt. Dieser wird die Basis aller heutigen leichten Bosch-Elektrowerkzeuge. Parallel dazu entwickeln Bosch-Ingenieure den ersten elektrischen Bohrhammer der Welt – den „Bosch-Hammer” mit einem Gewicht von 9,5 Kilo.
Gemeinsam arbeiten Formgestalter und Konstrukteure daran, durch kompaktere Bauweise, kleinere Bauteile und leichtere Materialien immer mehr Gewicht einzusparen: vom Pressstoff (Duroplaste) von 1932 bis hin zu glasfaserverstärktem Polyamid ab 1965. Neue Werkstoffe geben auch Impulse für neues Design, die Geräte werden nicht nur tatsächlich, sondern auch optisch leichter.
Bietet Bosch seine Elektro-Werkzeuge zunächst nur für den professionellen Einsatz an, entwickeln die Bosch-Ingenieure ab den 50er Jahren auch Geräte für den Heimwerker. Eines der erfolgreichsten wird 2003 der „Ixo”, der weltweit erste Akkuschrauber mit Lithium-Ionenakku. Mit seinen gerade mal 300 Gramm kann selbst die zarteste Hand lose Schrauben am Regal oder am Fahrrad festziehen. So wird Ixo zum meist verkauften Werkzeug der Welt.
Heute gehört Bosch zu den weltweit größten Herstellern von Elektrowerkzeugen für Profis und Heim-werker. „Elektrowerkzeuge” und „Hausgeräte” sind nur zwei von insgesamt 14 Geschäftsbereichen der Firma Bosch weltweit.

