Der Mia Seeger Preis wird im Jahr 2008 erneut mit Focus Green – Internationaler Designpreis Baden-Württemberg in einer Ausstellung präsentiert.
Öffnungszeiten der Ausstellung bis 30. November 2008
täglich außer montags und feiertags von 12 bis 20 Uhr
Ort:
Ludwigsburg
Werkzentrum Weststadt
Rheinlandstraße 10
Vier Preise und vier Anerkennungen sind das diesjährige Ergebnis beim Mia Seeger Preis für junge Designerinnen und Designer, der mit 10.000 € ausgelobt war. Insgesamt beurteilte die Jury 66 Produkteinreichungen, aus denen sie ihre Auswahl traf.
Zur Teilnahme am Wettbewerb eingeladen waren Designerinnen und Designer von deutschen Hochschulen, die ihr Diplom in den Jahren 2006 bis 2008 absolviert hatten. Vertreten waren die Studiengänge Industriedesign / Produktgestaltung, Innenarchitektur / Möbeldesign, Architektur, Investitionsgüter- und Transportation Design. Neben den üblichen Designkriterien spielte bei der Bewertung der eingereichten Arbeiten der soziale Nutzen eine entscheidende Rolle.
Die Jurymitglieder im Jahr 2008 waren:
- Prof. Karin Kirsch, Stuttgart
- Heike Schnabel, Schnabel,Schneider Industrial Design, Schorndorf
- Juliane Grützner, design report, Leinfelden-Echterdingen
- Margarete Wies, Mercedes-Benz Design, Daimler AG, Sindelfingen
- Michael Daubner, Geschäftsführer Burkhardt Leitner constructiv GmbH, Stuttgart
- Tom Schönherr, Phoenix Design, Stuttgart
Mia Seeger als „Grande Dame“ des Designs rief bereits 1986 die nach ihr benannte Stiftung ins Leben, deren Zweck die umfassende Förderung von Design als Teil von Wirtschaft und Kultur ist. Mit der Absicht, insbesondere den Nachwuchs im Design zu fördern, wird der Mia Seeger Preis jährlich bundesweit ausgeschrieben. Preise und Anerkennungen beim Mia Seeger Preis sind hervorragende Referenzen für junge Designer, die unter anderem den Weg in den Berufseinstieg ebenen können.
Preisverleihung in Ludwigsburg im Rahmen von „Focus Green“:
17. Oktober 2008, 19 Uhr
Ausstellungslaufzeit:
18. Oktober bis 30. November 2008
1. Preis – 5.000 €
SRD – Sea Rescue Device
Mann über Bord? – Dann gibt sein Sender Alarm. SRD löst sich automatisch vom Rumpf des Schiffes und bewegt sich langestreckt und düsengetrieben zum Opfer hin. Sender, Radar und GPS besorgen die Steuerung. Sensibel durch Sensoren, schlingt es sich um den Verunglückten, indem es die Segmente gegenseitig verdreht. Vor Ort aufgeblasene Luftkissen heben dessen Kopf über Wasser. So gehalten und auch auffällig markiert, steigen die Chancen für eine Bergung auch bei rauem Wasser und auf hoher See.
Jury:
Den über Bord gegangenen zu finden und im Auge zu behalten, ist als Voraussetzung einer raschen Rettung erkannt und hier als primäre Aufgabe formuliert. Dafür wird eine technisch und formal anspruchsvolle Lösung entwickelt. Spannungsvoll verbinden sich darin der Sinn für die raue Realität der See, der Blick für technologische Potenziale und die Lust am morphologischen Spiel.
Entwurf / Developer
Christian Westarp
Hochschule / University
Hochschule Darmstadt
Betreuung / Support
Prof. Tom Philipps
Gailbacher Straße 39
D-63743 Aschaffenburg
c.wes@wes-id.com
2. Preis – 3.000 €
„rescue.kit“ – Interaktiver Rettungsassistent
Ratloser Retter? – Nicht, wenn die Rettungshilfe ihn beim Helfen anleitet. Er legt den interaktiven Rettungsassisten dem Bewusstlosen um den Hals, so dass die Vitalfunktionen gemessen werden, und auf die Brust. Display und Lautsprecher geben sodann Anweisungen, wie, wo und wie lange Herzmassage bzw. Beatmung zu leisten sind. Dehnungssensoren kontrollieren die Qualität der Massage. – Die vereinfachte Version hiervon ist eine Rettungsweste, auf der Druckbereich und Anweisungen in piktografischer Form aufgedruckt sind.
Jury:
Wer Zeuge eines Notfalls mit Herzstillstand wird, hat in der Regel Angst, dass er aus Unkenntnis oder Schreck lebensrettende Maßnahmen nicht oder nicht richtig ausführen kann. Diesem Hindernis abzuhelfen, ist „rescue.kit“ entwickelt, vor allem für Laienersthelfer. Dass die Rettungshilfe die zugleich physische wie kommunikative Mittlerrolle zwischen Helfer und Hilfsbedürftigem übernehmen kann, ist ihrer textilen Ausführung zu danken.
Entwurf / Developer
Anika-Verena Letsche
Hochschule / University
Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd
Betreuung / Support
Prof. Gerhard Reichert
Prof. Frank Zebner
Theodor-Heuss-Straße 32
D-89250 Senden
av.letsche@gmail.com
3. Preis – 1.000 €
„känguru“ – Tragesystem für Kleinkinder
Wenn Mutter oder Vater radeln oder wandern, dann braucht der halb- bis zweijährige Nachwuchs nicht daheim zu versauern. Eine Sitzwiege mit Sicherungsgurten und Kopfstütze nimmt ihn auf, birgt ihn am elterlichen Rücken oder positioniert ihn recht hochsitzend über dem Gepäckträger des Fahrrads. Das Gestell dabei spielt die tragende Rolle, und, wenn die Erwachsenen vom Gehen zum Fahren wechseln oder umgekehrt, bleibt dem Kind erspart, umgesetzt zu werden. Für das Tragegestell ist nach dem Vorbild des Röhrenknochens eines Albatros eine Hohlstruktur vorgesehen, die im rapid-manufcturing-Verfahren herzustellen wäre.
Jury:
Wer die umweltfreundlichsten Verkehrsmittel – Schuhwerk und Fahrrad – bevorzugt und ein Kleinkind mitnehmen will, hat mit „känguru“ eine gute, unkomplizierte, formal ansprechende Lösung. Schutz und Sicherung des Kindes sind wohldurchdacht. So kann es unbeschwert die elterliche Nähe und ausreichend Aussicht genießen. Und weil sorgfältig darauf geachtet ist, daß die gesamte Konstruktion sehr leicht bleibt, tragen auch die Eltern nicht gar so schwer.
Entwurf / Developer
Oliver Klein
Hochschule / University
Kunsthochschule Berlin-Weißensee
Betreuung / Support
Prof. Helmut Staubach
Ueckermünder Straße 5
D-10439 Berlin
oliver@lieblingsschuh.de
3. Preis – 1.000 €
„Home Chare“ – Ein Pflegestuhl
Wer hilft dem Helfer? – Ein Pflegestuhl, zusammengestellt aus den Baugruppen Sitz, Elektro-, Indoor-, oder Rollstuhl-Modul, Kfz- und Treppenlift-Anbindung oder Dockingstation, erleichtert ihm gerade das anstrengende Umsetzen, Anheben oder Aufstellen der Pflegebedürftigen. Der entscheidende Kunstgriff liegt darin, in den Schichtaufbau der Sitzfläche elektroaktive Polymerfolien so einzubauen, dass das Anlegen von Spannung an den gewünschten Stellen eine Wölbung hervorruft. Damit verschmelzen Antriebstechnik und Hülle; Scharniere und Drehachsen erübrigen sich.
Jury:
Klug ist die für den Sitz als durch elektroaktives Polymer bewirkt angenommene Kraftentfaltung mit der durch Transportmodule und Anbindungskomponenten bereitgestellten Variabilität kombiniert. So erst werden Hilfsgeräte wie der Lifter entbehrlich, gleichzeitig die Pfleger entlastet und die Patienten weniger gestresst.
Entwurf / Developer
Christen Halter
Hochschule / University
Hochschule Darmstadt
Betreuung / Support
Prof. Tom Philipps
Engelhardstraße 53
D-63450 Hanau
chris@c-h-design.de
Anerkennung
„IUVO“ – Produktprogramm für die MS-Basisbehandlung
Wenn MS-Kranke reisen, dann wäre es gut, sie hätten alle Utensilien für die Selbstinjektion dabei, wären bei Bedarf mit behandelnden Ärzten, Apotheke oder Krankenkasse verbunden und hätten auch sonst allerlei kommunikative Hilfestellung. Das nun leisten Injektionsgerät und Basisstation im Verein mit einem Behältersystem, das beide Geräte, die Fertigspritzen, andere Medikamente, Tupfer und Pflaster aufnimmt und auch für Kühlung sorgt. Die Stapelhöhe richtet sich nach der Dauer der Reise. Selbstverständlich funktioniert alles genau so gut von zuhause aus.
Jury:
Der Komplex der therapeutisch erforderlichen, tagtäglichen Handgriffe und Besorgungen ist mit dem Komplex der bevorstehenden e-Health-Informationsstrukturen in Einklang gebracht. Die Bedürfnisse des Kranken, seine Ängste und alltäglichen Nöte, sind detailliert bedacht, aber auch sein Wunsch, so weit wie möglich mobil, unabhängig und selbständig zu bleiben. Diesem Anspruch wird diese intelligente, unprätentiöse Lösung gerecht.
Entwurf / Developer
Simone Winkler
Hochschule / University
Fachhochschule Coburg
Betreuung / Support
Prof. Gerhard Kampe
Carl-Schüller-Straße 46
D-95444 Bayreuth
simone_winkler@freenet.de
Anerkennung
„Skylino“ – Kinderrückhaltesystem im Flugzeug
Darf ein Baby fliegen? – Im Flugzeug schon, im Fahrgastraum nicht. Also wird es festgehalten. Am Check-in erhalten Eltern mit Kleinkind (2 Monate bis 2 Jahre) eine Trage, die sich von üblichen, ähnlichen in drei Punkten unterscheidet: Verbindungsschloss zwischen kindlichem und elterlichem Geschirr, das während unkritischer Flugphasen gelöst werden kann; Turbulenzsicherung, die den ganzen Flug über bestehen bleibt; Rückenstabilisator mit angeformter Kopfstütze, der im Ernstfall plötzliche Beschleunigungskräfte abfängt.
Jury:
„Skylino“ vermittelt Sicherheit, ohne massiv zu wirken. Treffsicher und mit Sinn für die Realität ist es in die vorhandenen Strukturen des Luftverkehrs eingefügt und schließt eine empfindliche Sicherheitslücke, die Gesetzgeber wie Fluggesellschaften bisher beschämend weit offen gelassen haben.
Entwurf / Developer
Karsten Willmann
Hochschule / University
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH)
Betreuung / Support
Prof. Holger Jahn
Prof. Peter Laabs
Bismarckstraße 10
D-01257 Dresden
k.willmann@creative-brain.com
Anerkennung
„Ninos AS & GL“ – Produkte für Diabetiker
Nur ein Pieks? – Froh, dass es auch ohne geht, ist, wer als Diabetiker häufig den Blutzucker messen muss und regelmäßig Insulin, insbesondere kurz wirkendes zu den Mahlzeiten, benötigt. „Ninos GL“ misst den Blutzucker, indem es den Finger durchleuchtet und aus der Streuung des Infrarotlichts den Glukoseanteil im Blut errechnet. Zusätzlich erinnert es an die Messungen, dokumentiert sie für den Arzt, erstellt Statistiken und speichert Notizen des Patienten. „Ninos AS“ ist ein Inhalator. Das Insulin ist der Sprühflüssigkeit beigemengt und wird über die Atemwege aufgenommen.
Jury:
Die vornehm elegante Gestaltung leitet an zu diskreter und gewissenhafter Anwendung. Mehr aber zählt der Umstand, dass beide Geräte der Therapie doch wesentliche Unannehmlichkeiten nehmen. Dabei kommen Konzeption und Entwurf ohne hypothetische Annahmen hinsichtlich verfügbarer Technologien aus.
Entwurf / Developer
Sascha Morawetz
Hochschule / University
Muthesius Kunsthochschule Kiel
Betreuung / Support
Prof. Ulrich Hirsch
Lastropsweg 37
D-20255 Kiel
saschamorawetz@gmx.de
Anerkennung
„dentassist“ – Mobile Dentaleinheit
Wenn der Zahnarzt kommt, z.B. im Altersheim, dann hat er seine Praxis im Rollcontainer dabei, nicht viel größer als ein Reisekoffer. Nachdem er die Deckplatte aufgeklappt, so eine gestufte Arbeits- bzw. Ablagefläche gewonnen, die mit Zuleitungen versehenen Instrumente in Stellung gebracht, den Wassertank befüllt und Strom angeschlossen hat, kann er in wenigen Minuten die Behandlung beginnen. Für die meisten altersüblichen Zahnerkrankungen ist er gerüstet.
Jury:
Kostenträchtige und körperlich-seelisch belastende Transporte des Patienten zum Zahnarzt werden vermieden. In dieser Hinsicht ist ein weseentliches Problem erkannt und formal souverän gelöst. Die Zahnbehandlung kann jetzt für beide Beteiligten an dem ihnen vertrauten Platz stattfinden: für den Arzt „in seiner Praxis“, für den Patient in seinem Lehnstuhl oder Bett.
Entwurf / Developer
Peer Hülsenbeck
Hochschule / University
Muthesius Kunsthochschule Kiel
Betreuung / Support
Prof. Ulrich Hirsch
Muhliusstraße 41
D-24103 Kiel
peerpost@gmx.net









