Ergebnisse des Mia Seeger Preis 2006.
Unter dem Motto “Was mehr als einem nützt” hatte das Design Center Stuttgart im Auftrag der Mia Seeger Stiftung den mit insgesamt 10.000 € a usgelobten Mia Seeger Preis 2006 für begabten Designnachwuchs ausgeschrieben.Zum diesjährigen Thema “Focus Energy” wurden insgesamt 53 Arbeiten von 25 verschiedenen Hochschulen eingereicht. Die Jury vergab zwei zweite und zwei dritte Preise sowie fünf Anerkennungen. In diesem Jahr waren in die Jury berufen:
- Prof. Karin Kirsch, Stuttgart
- Heike Schnabel, Schnabel,Schneider Industrial Design, Schorndorf
- Michael Daubner, Burkhardt Leitner constructiv, Stuttgart
- Tom Schönherr, Phoenix Design, Stuttgart
- Stefan S. Handt, DaimlerChrysler, Sindelfingen
Gesucht waren Diplomarbeiten oder vergleichbare Projektentwürfe von hohem gestalterischen Niveau, die sich mit wichtigen Aspekten des Lebens und Zusammenlebens befassen und dafür neuartige sinnreiche Lösungen vorschlagen. Der soziale Nutzen sollte dabei an erster Stelle stehen. Teilnehmen konnten junge Designerinnen und Designer, die zwischen 2004 und 2006 ihr Studium an deutschen Hochschulen in den Fächern Industriedesign/Produktgestaltung, Innenarchitektur/Möbeldesign, Investitionsgüter- oder Transportation Design abgeschlossen hatten.
Ergebnisse Mia Seeger Preis 2006
2. Preis: Vierfach mobil

Entwurf
Ragnhild Albers ragnhildalbers@gmx.de
Fachhochschule Coburg
Betreuung
Prof. Gerhard Kampe, Christiane Bausback
Zusammengeklappt zwei-, geöffnet vierrädrig und kombiniert mit geeigneten Komponenten, wird aus dem Fahrgestell von ‘fo(u)r motion’ ein Wägelchen für kleine Lasten, eins für große, dann ein Fahrradanhänger und schließlich auch eine rollende Unterstützung für gangunsichere Personen. Das bietet nicht nur vielfältigeren Nutzen bei kleineren und größeren Unternehmungen, z.B. einkaufen, Veranstaltungen besuchen oder reisen; auch weitet sich der Nutzerkreis hin zu den Jüngeren.
Jury
Differenziertes Nutzungskonzept, modularer Aufbau und formale bzw. farbliche Ausgestaltung nehmen dem Gerät seinen ausgrenzenden Charakter. Die Feinarbeit an vielen Details, wie Klappmechanismus, Griffhöheneinstellung oder Gehstock, läßt breitere Akzeptanz und Tauglichkeit in Alter und Alltag erwarten. Statt einseitiger Gehhilfe ein variabler Gehilfe.
2. Preis: Winkelgenau operieren

Entwurf
Frank Fangmann frank.fangmann@gmx.de
Fachhochschule Hannover
Betreuung:
Prof. Mike Nicklas, Dipl. Designer Fred Held
Bestimmte Fehlstellungen des Hüftgelenks lassen sich durch Entnahme eines Keils aus dem Oberschenkel korrigieren. Bislang macht aber das genaue Sägen Probleme. Abhilfe schafft das System ‘Varus’: Am Knochen wird eine Winkellehre befestigt, die das oszillierende Blatt der Säge unter dem voreingestellten Winkel führt. Höhere Präzision, geringere Belastung für den Patienten, kürzere OP-Dauer, reduzierte Kosten sind die Folge.
Jury
Ein Problem wird einleuchtend analysiert und souverän gelöst. Die Gerätschaft ist deutlich und klar in ihre Funktionsbereiche Befestigung, Einstellung, Sägeführung und Bedienung gegliedert. Blaue Tefloneinsätze bzw. -ringe markieren die Essentials der Operationstechnik. Angemessene sachlich-technische Formensprache.
3. Preis: Erinnerungen wecken

Entwurf
Pelin Celik celikp@web.de
in Zusammenarbeit mit Pilotfish GmbH München, Fachhochschule Coburg
Betreuung:
Prof. Gerhard Kampe, Dipl. Des. Harm Hogenbrink, Pilotfish GmbH
‘Senso’ ist eine Gruppe interaktiver Geräte, die dem Demenzkranken alle möglichen visuellen, akustischen, olfaktorischen und haptischen Informationen aus seiner Umwelt übermitteln, um an Vergessenes zu erinnern. Dazu trägt er um den Hals die Steuerungs- und Bedieneinheit ‘Personal Lifebook’, im Ohr einen ‘Souffleur’ mit Kamera, Hörgerät und Sensoren für Vitalfunktionen und hat zuhause ein ‘EMO Pillow’, das wohlig wärmt, pulsiert, leuchtet, Bilder und Filme zeigt, Düfte verströmt usw.
Jury
Neueste Entwicklungen in Mikro-, Sensor-, Funk-, Material- und Energietechnologie sind aufgeboten, um dem Gedächtnisverlust auf- und dem Gefühl des Verlorenseins abzuhelfen. Szenarien von alltäglichen und bedrohlichen Situationen spielen das überzeugend durch. Die äußere Gestalt der Geräte ordnet sich dem Krankheitsgeschehen unter.
3. Preis: Schützende Raumblase

Entwurf
Jens Krzywinski jens.krzy@web.de
Technische Universität Dresden
Betreuung:
Prof. Dr. Johannes Uhlmann, Dresden und Prof. Rolf Roeder, Halle
Die außenliegende pneumatische Struktur der ‘Lichthöhle’ überspannt ein Quadrat von knapp 20 m², und zwar so, daß man überall stehen kann. Rund um das Oberlicht verläuft ein Infrastrukturring, der Kabel, Klimaleitungen, Leuchtmatten usw. aufnimmt und Staumöglichkeiten bietet; er wird zusammen mit dem Zelt zusammengefaltet. Ein-, Aus- bzw. Durchgänge an allen Seiten erlauben unterschiedliche Verbindungen der Zelte in Linie oder Karree.
Jury
Die Konstruktion bedingt Features des Rettungszeltes, die dem Katastropheneinsatz besonders gut gerecht werden können. Mehr noch wiegt, dass der sich nach oben weitende Innenraum zusammen mit dem Verzicht auf Wandfenster eine Atmosphäre schafft, in der die hierher Verbrachten sich geborgen fühlen dürfen.
Anerkennungen
Kombinierter Schutz

Entwurf:
Julia Frank juliafrank.kiel@gmx.de
Muthesius Kunsthochschule Kiel
Betreuung:
Prof. Ulrich Hirsch
Egal, in welcher Kombination Augen, Ohren und Atemwege bei der Arbeit zu schützen sind, immer wird ein universelles, einstellbares Kopfgestell getragen, daran sich nach Bedarf Brille, Ohrkapseln oder Maske anbringen lassen. Für jede Komponente ist auch eine Parkposition definiert. Dort, wo Dichtlippen für Formschluss zum Kopf sorgen sollen, ist individuelle Anfertigung nach 3D-Scannen des Gesichts vorgesehen.
Jury:
Die Arbeitsschutzausrüstung ‚Tri-On’ bietet eine umfassende Lösung dafür, dass alle drei Schutzkomponenten auch wirklich gleichzeitig anwendbar sind, dabei optimal passen und außerdem einzeln und zusammen gut aussehen.
Sozialer Arbeiter

Entwurf:
Martin Postler martinpostler@gmx.de
Muthesius Hochschule Kiel
Betreuung:
Prof. Ulrich Hirsch und Prof. Dr. Norbert M. Schmitz
‘Bimo’ ist ein Roboter, der sich als Rad, das er in seiner Grundform ist, rollend oder auf sechs ausfahrbaren Beinen schrittweise bewegen kann. Die Energie für seine per Laserstrahl betätigten Polymer-Muskeln kommt aus einer Brennstoffzelle im Zentrum. Die Beine sind zugleich Arme, die sich aus einem Magazin mit Werkzeugen, Mess- oder medizinischen Instrumenten bestücken können. Die Idee ist, dass ‚Bimo’ mit seinesgleichen kooperativ, arbeitsteilig und verständnisvoll zusammenwirkt und mit dem Menschen also ein ‚Metakollektiv’ bildet.
Jury
Gedacht ist hauptsächlich an den Einsatz bei Naturkatastrophen, Epidemien oder verheerende Unfälle, aufgrund der Multifunktionalität aber auch an die Assistenz im sozialen und privaten Leben. Umfangreiche Überlegungen aus Robotik, Kybernetik und KI untermauern den utopischen Entwurf.
Geländegängiger Rollstuhl

Entwurf:
Peer Stock peer.stock@gmx.de
Kunsthochschule Berlin-Weissensee
Betreuung:
Prof. Dietmar Palloks
‚Coaster’ soll dem sportlichen Gehbehinderten etwas bieten, das dem Mountainbike nahe kommt: ein geländefähiges, vierrädriges Fahrzeug mit Hebelantrieb und Nabenschaltung. Gelenkt und gebremst wird mit Hebeldrehung. Ein schwenkbarer Schalensitz ermöglicht einen einfachen Einstieg. Karbonfaserverbundwerkstoffe und Leichtmetalle halten das Gewicht gering.
Jury
Das Konzept eröffnet Gehbehinderten ein neues Feld sportlicher Aktivitäten. Sinnvollerweise wird bei Funktionen wie Bremsen, Federn oder Schalten auf vorhandene Komponenten der Fahrradtechnik zurückgegriffen. Für Probleme wie Kraftübertragung und Lenkung werden eigene, neue Lösungen vorgeschlagen.
Mobile Beatmung

Entwurf:
Grit Andrea Wolf wolf_grit@hotmail.com
Hochschule Anhalt (FH)
Betreuung:
Prof. Uwe Gellert, Dipl.-Formgestalter Klaus Heller
Eine minimalinvasive Beatmungsmethode macht den Patienten mit Atmungsinsuffizienz wenigstens in Wohnung und Wohnumfeld mobil. ‚Aerius’ enthält in seinem bereiften Zylinder die erforderlichen Aggregate: Kompressor, Akkumulator und die herausnehmbare Luftbefeuchtereinheit. Der höhenverstellbare Griffstab führt auch den Luftschlauch zum Patienten. Die Ladestation ist zugleich Parkplatz. Anderswo steht das Gerät wie ein Stehaufmännchen.
Jury
Das Mobilitätskonzept erspart dem Patienten den stationären Klinikaufenthalt und gibt ihm so mehr Selbständigkeit. Unter medizinischer Überwachung und mit vernünftigem Aufwand kann er das Gerät in seinen Alltag einbeziehen – und gewinnt erheblich an Lebensqualität.
Musik für Gehörlose

Entwurf:
Ufuk Yüksel ufuk.yueksel@web.de
Fachhochschule Coburg
Betreuung:
Prof. Gerhard Kampe
‘Siento’ (span.: ich fühle) macht Musik über Vibrationen am Körper wahrnehmbar. Das um den Hals getragene Hauptgerät rechnet die Musikinformation um und gibt sie über die beiden sog. Exciter in den Ausläufern an die Haut weiter. Ergänzend erhalten die beiden Satellitengeräte, ein Armband und ein Handschmeichler, dieselben Informationen per Funk.
Jury
Über Intensität und Dauer der Impulse und abhängig davon, wo die Reizung stattfindet, werden charakteristische Eigenschaften des gespielten Musikstücks erlebbar, auch von Gehörlosen und Hörenden gemeinsam. In diesem ästhetischen Zusammenhang ist es nur konsequent, die Schmuckfunktion der Gehäuseformen zu betonen.

