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  • Mia Seeger Preis 2003

    HochschulabsolventInnen, die in den Jahren 2001 bis 2003 ihr Designstudium abgeschlossen hatten, waren in diesem Jahr zur Teilnahme am Mia Seeger Preis eingeladen. Der Wettbewerb stand unter dem gleichen Zeichen wie der Internationale Designpreis Baden-Württemberg: Focus Balance. Zusätzlich mussten die Nachwuchsdesigner aber eine weitere inhaltliche Hürde meistern, denn wie in jedem Jahr wurden ihre Entwürfe auch unter dem Motto “Was mehr als einem nützt” bewertet. Die soziale Verantwortung und der gesellschaftliche Nutzen werden beim Mia Seeger Preis nach wie vor großgeschrieben!

    Insgesamt stand die Jury vor der Aufgabe, 45 Entwürfe zu beurteilen. Die Arbeiten überzeugt in diesem Jahr außerordentlich, und so wurden gleich vier Anerkennungen und drei Preise vergeben.

    Die Mitglieder der Jury waren:

    Lore Elbracht, designafairs, München
    Norbert W. Daldrop, av communication, Ludwigsburg
    Nils Holger Moormann, Moormann Möbel, Aschau i.Ch.
    Steffen Schmidt, Invair Technologies, Stuttgart, Mia Seeger Preis 2000
    Tom Schönherr, Phoenix Product Design, Stuttgart

    Erster Preis

    Wasserabrasiv-System


    Erst entwickeln Werkstofftechnologen ein Verfahren, Knochengewebe mit Wasserstrahl zu schneiden. Dann entwerfen Designer in einer Machbarkeitsstudie ein Modell, das zeigt, wie die Anwendung im Operationssaal aussehen kann. Herzstück des medizinischen Gerätesystems zur Vorbereitung der Knochen für die Kniegelenkimplantation ist ein Roboterarm, der ein Wasserstrahl-Schneidewerkzeug führt. Sein Sockelgehäuse enthält CPU, Steuerungselektronik, ein Dosiersystem für Schleifmittel und ein ausfahrbares Absaugmodul. Die weiteren Module: auf dem Operationstisch die Cuttingbox (Knie fixieren, Wasser auffangen), daneben das mobile zentrale Steuerpult und im Hintergrund die stationäre Hochdruckpumpe.
    Die medizinischen Vorteile liegen auf der Hand: Die Wasserstrahltechnik schont das Knochengewebe und schneidet viel präziser als die Hand, so dass Implantat und Knochen genau aufeinander passen, schneller zusammenwachsen und die Verbindung länger hält.

    Jury:
    Ohne an ähnlichen oder vorangehenden Produkten sich orientieren zu können, haben Ralf Baumunk und Joachim Möllmann ein neuartiges Gerätesystem konzipiert und gestaltet. Eingehend haben sie die medizinischen Abläufe und Anwendungsbedingungen studiert. Entsprechend sinnvoll sind die Komponenten gegliedert. Deren einzelne Funktion, aber auch deren Zusammenwirken ist genau bedacht. Bedienung, Reinigung, Sterilisation, Pflege und Wartung sind sorgsam berücksichtigt. Am Schluss der Studie kann stehen: Machbarkeit durch Gestaltung glaubhaft gemacht! Glaubwürdig auch, weil sie offen gebliebene Probleme nicht verschweigt.

    Ralf Baumunk, Hannover
    master@raballo.de

    Joachim Möllmann,
    Hannover,
    j_moellmann@hotmail.com

    Absolventen der Fachhochschule Hannover

    Zweiter Preis

    Hilfsmittel für Sehgeschädigte

    Blinde haben ihr wichtigstes Orientierungsorgan verloren. Der Katalog von technischen Hilfen kommt also nur recht. Darin finden sich unter anderem Konzepte für einen Blindenstock mit Scanreader für strichcodierte Wegmarkierungen; für einen Tintenstrahldrucker, der zum Brailleschrift- und Reliefdrucker umgebaut ist; oder für einen Bodenbelag, der über Noppen oder Lamellen eine Richtung anzeigt. Zum einen sind es stationäre Informationssysteme, die haptisch gelesen werden, zum andern aber tragbare Geräte, die mittels Computer- bzw. Sensortechnologien visuelle Informationen in taktile oder akustische umsetzen. Herausragendes Beispiel dafür ist ein “Relief Touch Screen Navigator” (RTSN). Er rechnet sattelitenübermittelte Navigationsdaten, Stadtplan- und allgemein Bilddaten in ein Relief um, auf dem sich Blinde tastend orientieren können. Der Kartenausschnitt wird über die Randtasten, das Menü über “eingeblendete” taktile Icons und Brailleschrift gesteuert.

    Jury:

    Reno Büchner breitet eine Fülle von Ideen aus. Nicht nur in den neuesten Kommunikationstechnologien, auch in neuen oder bekannten Materialien findet er Lösungen für das Transponieren visueller Informationen. Dabei bedenkt er immer, welche Reizbelegung den nicht-visuellen Sinnen zugemutet werden kann. Der Entwurf des RTSN ragt schon deswegen aus den übrigen heraus, weil er, freilich unter Annahme eines hochauflösenden Relief-Schirms, ein überraschend weites Feld von Anwendungen eröffnet. Die detailliert ausgearbeiteten Lösungen sind auch für den Normalsichtigen schön anzuschauen.

    Reno Büchner, Halle / Saale,
    reno_b@gmx.de

    Absolvent der
    Burg Giebichenstein
    Hochschule für
    Kunst und Design Halle

    Dritter Preis

    Bikester – unterwegs mit Kindern

    Eigentlich gibt es kein alltagstaugliches Vehikel, das einem erlaubte, auch behinderte Kinder per Fahrrad mitzunehmen. Das zeigt eine ausführliche Analyse. Dem abzuhelfen, hat Claudia Haßfurther eine Kabine entworfen, die einachsig und mit einem Fahrradrahmen verbunden zum Lastrad oder zweiachsig zum Handwagen wird. Der Dreh dabei: ein einfacher Verschiebemechanismus erlaubt die Umstellung von ein auf zwei Achsen und umgekehrt. Weitere wichtige Merkmale sind versenkbares Verdeck, vielfach verstellbarer Reha-Sitz, zwei Staufächer, robuster Profilrahmen. Das Gefährt ist so stabil und reparaturfreundlich ausgelegt, dass die Krankenkasse es als Alltagshilfe anerkennen kann. Natürlich können auch gesunde Kinder mitfahren..
    Die Arbeit beginnt mit einer ungewöhnlich sorgfältigen, umfassenden und tiefgehenden Voruntersuchung zum Transport von Kindern mit dem Fahrrad. Die Ergebnisse münden in den Entwurf eines Fahrzeugs, das die analysierten Anforderungen bis hinein in viele praktische, technisch-funktionale Details umsetzt. Vielfältige Nutzung, Sicherheit und bestmögliche Sitz-Ergonomie sind besonders bedacht. Ein derartiges Gerät kann wahrlich zu einem “normalen” Leben mit (behinderten) Kindern beitragen.

    Jury:

    Claudia Haßfurther, Kiel,
    stern@muthesius.de

    Absolventin der
    Muthesius-Hochschule Kiel

    Anerkennungen

    Grünfutter-Vollerntemaschine

    Erst ganzjährig verfütterte Silage (d.i. konserviertes Gras) garantiert gleich bleibend hohe Milchqualität. Eine Grünfutter-Vollerntemaschine könnte wetterunabhängig hochwertige Silage in einem einzigen Arbeitsgang produzieren: Gras schneiden, reinigen, per Mikrowelle trocknen, zu Ballen pressen, wickeln und verpacken. Für dieses patentierte Prinzip liegt jetzt ein technisches Konzept mit einer Designstudie vor. Bewusst ist die Anmutung eines gefräßigen, sonst aber gutmütigen Insekts gewählt, dessen Leib die erforderlichen technischen Komponenten und Aggregate umschließt.

    Jury:
    Eine Grünfutter-Vollerntemaschine käme einer landwirtschaftlichen Revolution gleich, wie sie vor Jahrzehnten der Mähdrescher mit sich brachte. Das setzt der Entwurf auch in eine ausdrucksstarke Gestalt um. Die Studie zeichnet in enger Verknüpfung von Technik und Design eine Richtung vor, in der die Entwicklung bis zur Marktreife vorangetrieben werden könnte.

    Ansgar Howey, Augsburg,
    ansgar@howey.de

    Absolvent der Technische
    Universität Dresden

    Kiss – ein Kindersitzsystem


    Ein Kindersitz, der als Kinderwagen-Aufsatz und im Auto Dienst tun und dabei dem Kind vom 9. Monat bis zum 4. Lebensjahr ergonomisch richtig Platz bieten soll. Das leistet eine Art gelenkig verbundener Profilrahmen, an dem Sitz- und Rückenpolster, Kopf-, Arm- und Fußstützen verstellbar angebracht sind. So kann der Sitz genau an die Körpergröße angepasst, und verschlissene Teile können ausgetauscht werden.

    Jury:
    Autositz und Sportwagenaufsatz sind ohne Kompromisse in einem einzigen Produkt vereinbar. Persönliche Erfahrung und die Ergebnisse einer Elternbefragung fließen in den Entwurf ein. Konsequent ist die Dualität zwischen technisch-funktionalem Tragwerk und körpernahen Anbauelementen in Materialwahl, Formensprache und Farbgebung fortgeführt. Langlebigkeit und Doppelnutzen schonen den Geldbeutel der Eltern.

    Cathrin Königsmann, Kiel,
    cathrin-k@gmx.de

    Absolventin der
    Muthesius-Hochschule Kiel

    Pressure Suit


    Wohldosierte Druckluft kann helfen, den belasteten Rücken zu unterstützen. Ein flacher, aus röhrenförmigen Luftkammern gebildeter pneumatischer Muskel, mit Gurten an Schulter und Beinen befestigt, zieht sich dann zusammen. Gespeist wird das System aus einem Druckspeicher. Ein im Rücken eingearbeiteter Muskelsensor steuert das Ventil und löst bei hoher Belastung Vibrationsalarm aus.

    Jury:
    Das Konzept der ‚Smart Clothes’ findet hier in der Verbindung von Pneumatik und Sensortechnik eine sehr nützliche Anwendung. ‚Pressure Suit’ ist auch von der Anmutung her eine hochwertige und professionelle Ergänzung zur Arbeitskleidung, die es sinnvollerweise in zwei verschiedene Versionen für Frauen und Männer geben soll.

    Andreas Lehnhoff,
    Bad Homburg v.d.H.,
    lehnhoff-a@hfg-gmuend.de

    Steffen Kübler
    ,
    Freiberg am Neckar,
    KueblerStef@aol.com

    Absolventen der Hochschule
    für Gestaltung
    FH Schwäbisch Gmünd

    Klein und mobil


    Kindersportwagen, fast wörtlich genommen. Gedacht ist er für sportive, mobilitätsfreudige Eltern, die ihr Kind oft im Auto und gern zum Joggen oder Inline Skating mitnehmen. Eigentümlich für seine Struktur ist die zentrale Achse, die den Sitzrahmen und die Radstreben trägt und zugleich Hauptklappachse ist. Der Radstand ist variabel, kurz für die Stadt, lang für den Ausflug. Höhenverstellbar ist auch der Halte- bzw. Schiebebügel; in der Mitte die Bremse, die auf die Hinterräder wirkt.

    Jury:
    Dass es ‚mobil’ ist, sieht man dem Fahrzeug unmittelbar an: reduzierte Struktur, glattflächiges Fahrwerk, integrierte Verstellelemente, nabenlose Räder. Da es sich beim Zusammenfalten, dank der abklappbaren Räder, ungewöhnlich ‚klein’ machen kann, steigert das die Mobilität abermals.

    Katrin Saier, Darmstadt,
    ks@id-1.de

    Absolventin der
    Fachhochschule Darmstadt