Unter dem Motto “Was mehr als einem nützt” hatte das Design Center Stuttgart bereits zum dritten Mal im Auftrag der Mia Seeger Stiftung den Mia Seeger Preis für den Designnachwuchs ausgeschrieben. 47 Absolventinnen und Absolventen von 20 Hochschulen in der Bundesrepublik beteiligten sich am Wettbewerb. Von behindertengerechten und medizinischen Produkten bis zu Entwürfen für das gemeinsame Arbeiten und Wohnen reichte das Spektrum der zum Thema Lebensart eingereichten Arbeiten. Gute Vergleichsmöglichkeiten boten sich dort, wo verschiedene DesignerInnen unabhängig voneinander das gleiche Thema – beispielsweise “Rettung” – bearbeitet hatten. Die Jury vergab zwei Preise und zwei Anerkennungen
Die JurorInnen waren:
Lore Elbracht, designafairs GmbH, München
Nils Holger Moormann, Moormann Möbel GmbH, Aschau i. Ch.
Tom Schönherr, Phoenix Product Design, Stuttgart
Gerhard Zambelli, ehem. Bezirksleiter der IG-Metall Baden-Württemberg
Dr. Wolfgang Berger, Design Center Stuttgart
Erster Preis (3.500 €)
“Drohne statt Spürhund”

Das Gerätesystem “remote rescue” zum Auffinden von verschütteten Erdbebenopfern umfasst ein unbemanntes, ferngesteuertes Fluggerät mit Bioradar, der Atem und Herzschlag erkennen kann, eine Handsteuerung, zwei Bildschirmkontrollgeräten und einen Transportcontainer, der vor Ort zum Arbeitsplatz für die Einsatzleitung wird.
Jury:
Dem Entwurf gingen sorgfältige Analysen von Rettungsaktionen und eingehende technologische Recherchen voraus. Mit Sensorik, Mobilität und Kommunikation sind die entscheidenden Aspekte für schnelle Ortung, risikomindernde Bergung und koordinierte Einsatzleitung erfaßt. Konsequent folgt der Entwurf dem konzeptionell vorgezeichneten Weg. Die Komponenten sind so entwickelt, dass sie sowohl einzeln im Gebrauch als auch im Zusammenspiel zu einem optimierten Rettungseinsatz beitragen. Insgesamt ist ein neuartiges, einsatzgerechtes und in vielen praktischen Details akribisch ausgearbeitetes Gerätesystem entstanden.
Holger Pilz, Wäschenbeuren,
pilz-h@hfg-gmuend.de
Stefan Schenk, Grünenebach,
schuettentobel@hotmail.com
Absolventen des Studiengangs Industriedesign an der Hochschule für Gestaltung der Fachhochschule Schwäbisch Gmünd
Zweiter Preis (2.500 €)
“Rollstuhl vom Feinsten”

Ein Rollstuhl für jugendliche, sportlich aktive Behinderte, die ab der Hüfte gelähmt sind – mit dem Image- und Prestigewert eines hoch entwickelten Profigeräts. Daher der Name “Ilo” (Esperanto, d.h. Werkzeug, Instrument, Hilfsmittel).
Jury:
Folgerichtig wird das Konzept aus der Analyse von sinnvollen Anforderungen in Gebrauch, Material und Ästhetik entwickelt. Durch souveräne Ausschöpfung neuer Technologien ist es gelungen, in eine wesentlich reduzierte Struktur deutlich verbesserte Funktionen zu integrieren. Zusammen mit einem technischen, dennoch die Sinne ansprechenden Formenkanon gewinnt der dreirädrige Rollstuhl den Charakter eines hochwertigen Sportgeräts, das den Nutzer in seinem Selbstwertgefühl stärkt.
Matthias Kolb, Stuttgart,
kolb@pulse-design.de
Absolvent des Studiengangs Industrial Design an der Hochschule für Gestaltung, Technik und Wirtschaft, Fachhochschule Pforzheim
Anerkennungen
“Gestaltungskonzept für Polizei und Bürger”

Auf der Grundlage einer in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Behörden durchgeführten Analyse und Dokumentation von 15 Polizeistationen in Hessen wurde ein gestalterischer Leitfaden entwickelt. Für Um- und Neubauvorhaben gibt er Richtlinien zu Programm, Struktur, Größe und Einrichtung der für den Bürger relevanten Räume: Eingang, Schleuse, Warte-, Vernehmungs- und Opferbetreuungsraum sowie Gewahrsamszelle. Ergebnis ist ein Handbuch in gedruckter Form oder auf CD-ROM für alle am Planungsprozeß Beteiligten.
Jury:
Die Autoren haben einen heiklen, gesellschaftlich aber wichtigen Problembereich aufgegriffen. Die Ergebnisse der Recherche sind sachlich und prägnant dargelegt. Für die als typisch erkannten Funktionsbereiche einer Polizeistation werden gestalterische Lösungen angeboten, die vom Raumprogramm bis zur Möblierung reichen und einen deutlichen Beitrag zur Bürgerfreundlichkeit der Polizei leisten. Bis auf ein multifunktionales Wandpaneel wird dabei auf eigens anzufertigende Einrichtungselemente bewußt verzichtet, damit die Hürden für eine Umsetzung möglichst niedrig sind.
Nikolai Affemann, Wiesbaden, nikolaiaffemann@hotmail.com
Alexander Bayer , Darmstadt, alex.b.99@gmx.de
Absolventen des Studiengangs Innenarchitektur an der Fachhochschule Wiesbaden
“Rettung aus der Luft”

“RotoPro” ist ein kompakter Einmann-Helikopter in Leichtbauweise (Aluminium, Kohlefaser) für die Rettung von Verunglückten in Situationen, in denen konventionelle Hubschrauber nicht helfen können. Mit unterschiedlichen Landefüßen kann das Fluggerät auf starkem Gefälle oder zu Wasser landen, sich auch an Felswände oder Gebäudefassaden pressen. Ein Behälter nimmt die transportbedürftige Person auf. Anbauteile wie Kamera, Scheinwerfer oder Greifarm erweitern den Einsatzbereich, z.B. für Sicherheits- und Überwachungsaufgaben.
Jury:
Die Idee, dem Rettungswesen neue Einsatzbereiche zu erschließen, wird detail- und variantenreich ausgearbeitet. Dabei sind nicht nur die Anforderungen der Flugsicherheit und der Bedienung sorgfältig bedacht, sondern auch unterschiedliche Möglichkeiten der Bergung und des Transports. Verschiedene Ausstattungsvarianten eröffnen vielfältige Anwendungen: Wasser-, Straßen- und Bergwacht, auch kommerzielle Nutzung und Sport.
Manuel Aydt, Pforzheim, aydt@formverlauf.de
Absolvent des Studiengangs Industrial Design an der Hochschule für Gestaltung Technik und Wirtschaft, Fachhochschule Pforzheim

