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  • Mia Seeger Preis 2001

    Was mehr als einem nützt

    Der Mia Seeger Preis 2001 war ausgeschrieben für junge Designerinnen und Designer, d.h. Absolventen der Studiengänge Industriedesign/Produktgestaltung, Innenarchitektur/Möbeldesign, Investitionsgüter- oder Transportation Design an deutschen Hochschulen zwischen 1999 und 2001.

    Die Mia Seeger Stiftung hatte drei Preise mit der Summe von 15.000 DM ausgeschrieben. Gesucht waren Diplom- oder vergleichbare Entwurfsarbeiten, die sich mit wichtigen Aspekten des Lebens und Zusammenlebens befassen und hierfür sinnreiche Lösungen vorschlagen – sozialer Nutzen. Weitere Kriterien: umweltverträglich, neuartig und auf hohem gestalterischen Niveau.

    Der Jury gehörten an
    -   Lore Elbracht, designafairs GmbH, München
    -   Nils Holger Moormann, Moormann Möbel GmbH, Aschau i.Ch.
    -   Gerhard Zambelli, ehem. Bezirksleiter der IG-Metall
    Baden-Württemberg
    -   Dr. Wolfgang Berger, Design Center Stuttgart

    Es waren 53 Bewerbungen eingegangen. Die Jurierung fand am 30. Mai 2001 statt. Die Ergebnisse, drei Preise und fünf Anerkennungen, werden zusammen mit dem Internationalen Designpreis Baden-Württemberg im Design Center Stuttgart von 10. Oktober bis 9. Dezember 2001 präsentiert.

    Erster Preis (7.500 DM)

    “Lebensmittellagerung in Entwicklungsländern”

    In Entwicklungsländern vernichten Nagetiere, Insekten und Pilzbefall bis zu 50 % der eh schon knappen Nahrungsmittel. Hauptproblem ist die Lagerung. Zur Lösung werden zwei Konzepte vorgeschlagen: ein “Speicherbaum” für Getreide, Hülsenfrüchte und getrocknetes Obst oder Gemüse; ferner ein “Vorratsbrunnen” zur kühlen Lagerung von stärkehaltigen Knollen, frischem Obst und Gemüse. Der Entwurf berücksichtigt die regionalen Lebensbedingungen der Sahelzone in Afrika: Lebensmittel, Klima, Rohstoffe, Technologie, Kultur. Und er beherzigt das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe.

    Jury:
    Mit großer Sorgfalt ist darauf geachtet, daß einfache physikalische Prinzipien (Verdunstungskälte), regional verfügbare Materialien (Lehm, Holz, Schilf, Textilien, Seil oder Recyclingstoffe) und elementare handwerkliche Techniken (Selbstbau ohne Spezialwerkzeuge) Anwendung finden und ein großer Spielraum für Varianten bei Materialwahl und Ausgestaltung vor Ort bleibt. Trotz der einfachen, fast archetypischen Lösung sind viele lebenspraktische Details wie Verankerung oder Aufstellungsort vorbedacht.

    Torsten Breitbarth, Braunschweig
    Studium Industrial Design an der Hochschule für bildende Künste Braunschweig, Diplom 2001
    e-mail torstenbreitbarth@web.de

    Zweiter Preis (5.000 DM)

    “Nestling – Konzept für eine mütternahe Versorgung von Frühgeborenen”

    Ein Luftkissen mit ovalem, einseitig absenkbarem Wulst bildet eine Art Nest zur Aufnahme des Frühgeborenen. Die Mulde ist mit einer Funktionsschicht ausgelegt, über die das Baby mit Wärme, Luftfeuchtigkeit, Sauerstoff, ggf. auch einer Beatmungshilfe versorgt wird – alles wesentliche Aufgaben eines Inkubators. Dank eines geeignet taillierten Fußteils kann die meist frisch mit Kaiserschnitt operierte Mutter ihr Kind von Geburt an bei sich im (Kranken-)Bett haben.

    Jury:
    Die medizinische Versorgungstechnik, obgleich uneingeschränkt verfügbar, tritt zugunsten der Sorge um die Mutter-Kind-Beziehung zurück. Emotionale Faktoren wie Behütetsein, Nähe oder Wohlbefinden werden gestärkt, Trennung vermieden, Kontakt durch Blicke, Laute oder Berührungen intensiviert. Beruhigend, weil auch im Normalfall verwendet, wirken textile Materialien für Bezug und Decke.

    Johannes Hoyer, Stuttgart
    Studium Investitionsgüterdesign an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Diplom 2001
    e-mail j.hoyer@feinsinn.info

    Dritter Preis (2.500 DM)

    “nepoon – Meerespotentialkraftwerk”

    Kraftwerk mit “meta.tower” (Kathode und Energieumwandler) im Zentrum,
    ringförmigem “store.unit”-Speicher und “roto.pole”-Anoden am Boden
    Denkbar ist, daß ein Meerespotentialkraftwerk elektrische Spannung nutzt, die beim Stoffwechsel von Mikroben in Meeresbodenablagerungen entsteht. Dazu braucht es dreierlei Komponenten: am Boden die Anoden, die sich und das Kraftwerk im Sediment verankern; damit verbunden und unmittelbar darüber schwebend eine Zentraleinheit, die als Kathode den Strom aufnimmt und damit Wasserstoff erzeugt; schließlich ein Wasserstoffspeicher, mit dem sich auch der Transport per Schiff bewerkstelligen läßt.

    Jury:
    Für eine bislang unerschlossene erneuerbare Energiequelle wird nicht nur ein neues Produkt zur Gewinnung, sondern auch ein durchdachtes Nutzungs- und Logistikkonzept entwickelt. Im Bemühen, die technische Komplexität in ihrem formalen Ausdruck zu reduzieren, sind einfache, rotationssymmetrische Formen gewählt (Ring, Spindel) – mit Anklang an Wasserfauna oder -flora – und Farben, die im Umfeld dezent kontrastieren.

    Antonino Ardilio, Lorch
    Studium Investitionsgüterdesign an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Diplom 2001
    e-mail ardilio@hotmail.com

    Anerkennungen

    “Mini-Max – Intelligentes Inhalationsgerät für Kinder”

    Unter Verwendung eines neuen sensorgesteuerten Membran-Vernebelungssystems ist ein handliches Inhalationsgerät für Kinder mit Atemwegserkrankungen und Mukoviszidose entstanden. Kindgerechte Ergonomie; Gebrauchsteile sind zur Reinigung einfach zu zerlegen, austauschbar und recyclingfähig.

    Jury:
    Optimierte und kontrollierbare Verabreichung des Medikaments; motivierendes, weil spielerisches Training der Atemtechnik mit Hilfe akustischem oder visuellem Feedback (z.B. auf dem Game Boy).

    Formbüro Markus Kachel
    Alte Heusteige 26
    73730 Esslingen
    Telefon 0711 / 1227386
    Mobil 0171 / 5122993
    www.markuskachel.com
    info@markuskachel.com

    “Interaktiver Computertisch für die Grundschule”


    Für die Grundschule der Zukunft spielt der im kindlichen Forscherdrang genutzte interaktive Computer eine wichtige Rolle. Sein Interface wird von unten auf die Arbeitsfläche eines “vierblättrigen” Tischs projiziert, an dem die Kinder allein oder in Gruppen, mit oder ohne Betreuung lernen können.

    Jury:
    Einer kritischen Reflektion folgt eine anregende Vision zum Lernen mit Computer. Sie mündet in den Entwurf eines kindgerechten, den vielfältigen Lernsituationen angepaßten und anpaßbaren Arbeitstischs. Schönes Detail: die nach floralen Motiven geformten elektronischen Stifte.

    Julia Maendler, Karlsruhe
    Studium Industrial Design an der Hochschule für Gestaltung, Technik und Wirtschaft Fachhochschule Pforzheim, Diplom 2001
    e-mail pixxpaxx@hotmail.com

    “Sinnlicher Supermarkt. Barrierefreies Einkaufen”

    Der Supermarkt sollte sich vom vollgepfropften Warenlager zur kommunikativen, barrierefreien, also auch für Rollstuhlfahrer geeigneten Warenpräsentation wandeln. Bestellung über Warenscanner, Abholung der Ware am Hochregallager.

    Jury:
    Entspanntes Einkaufen für alle, Behinderte wie Nichtbehinderte, ohne die Mühsal des ständigen Herumwuchtens von Waren. Information, Beratung, Auswahl, Begegnung stehen im Vordergrund. Ein wohldurchdachtes Zusammenspiel von Architekturentwurf, Logistik- bzw. Handling-Konzept und Produktgestaltung (Scanner, Displaysystem).

    Sibille Wegner, Gregor Kreusch, Dirk Mensen und Mario Minale, Wuppertal
    Studium Industial Design an der Bergischen Universität Gesamthochschule Wuppertal, Diplom 2001
    e-mail dirk.mensen@gmx.de

    “Modulares Elektroverteiler-Schranksystem”


    Kabelverteilerschränke in Straßen und an Plätzen sind unvermeidlich. Daß es aber keine tristen und zum Verschandeln einladende Kästen sein müssen, zeigt das neue System: Baukastenstruktur, wenige Baugrößen, vielfältige Kombinationsmöglichkeiten, verbesserte Zugänglichkeit, harmonische Gehäuseübergänge, Fronten auch als hinterleuchtbare Werbeflächen.

    Jury:
    Aufwertung eines schändlich vernachlässigten Produkts durch funktionale und formale Verbesserungen; zugleich tatkräftige Maßnahme gegen die ästhetische Verschmutzung des öffentlichen Raums.

    Katarina Schwanhäußer, Stuttgart
    Studium Produktgestaltung an der Hochschule für Gestaltung Fachhochschule Schwäbisch Gmünd, Diplom 2001
    e-mail katarinasch@hotmail.com

    “seacure – Hilfsmittel zur Rettung Ertrinkender”


    Mit dem kugelförmigen Gerät kann der zur Hilfe kommende Schwimmer dem Ertrinkenden vom Nacken her einen zweiteiligen, mittels einer Gaspatrone aufblasbaren Schwimmkörper um den Hals legen und ihn dann mit Schultergurt und Leine abschleppen.

    Jury:
    Ein neues Rettungskonzept, bei dem der Ertrinkende seinen Retter weniger gefährdet; kompaktes, handliches Gerät, das beim Schwimmen kaum behindert und beim Retten präzis angesetzt werden kann.

    Benno Schiefer, Düsseldorf
    Studium Design an der Fachhochschule Düsseldorf, Diplom 1999
    e-mail benno.schiefer@ts.siemens.de