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    Die wilden Jungen – Design und Architektur aus Dänemark

    Review der internationalen Ausstellung im Design Center Stuttgart


    www.daenischesdesign.de

    Architektur und Design aus Dänemark stehen für unkonventionelle Sichtweisen, für eine klare, funktionale Ästhetik und für unaufdringliche Perfektion. Ohne Übertreibung kann gesagt werden, dass dänische Designer den westlichen Wohnstil des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst haben. Namen wie Arne Jakobsen, Fritz Hansen, Verner Panton oder Poul Henningsen sind jedem ein Begriff. Wie aber gehen die dänischen Gestalter des 21. Jahrhunderts mit diesem Erbe um? Wie beantworten sie – die „wilden Jungen“ von heute – die Fragen nach Ästhetik, Funktionalität und Esprit eines Bauwerks oder Möbels? In einer Zeit, in der Design zum entscheidenden Faktor des wirtschaftlichen Erfolgs geworden ist, ist eine Designausstellung mehr als nur eine ästhetische Positionsbestimmung: sie ist ein Spiegelbild des Zeitgeistes und eine spannende Sammlung von qualitativen Erfolgsstorys in einem Markt, der jährlich mit Tausenden neuer Produkte überschwemmt wird.

    14 international erfolgreiche dänische Unternehmen präsentieren vom 21. Februar bis zum 16. April im Design Center Stuttgart (Haus der Wirtschaft) ihre neuesten Objektmöbel und Leuchten, daneben zeigen zehn Architekturbüros ihre jüngsten Arbeiten. Was bewegt die dänischen Gestalter, wo setzen sie ihre Schwerpunkte und was sind die Gründe ihres Erfolgs?

    Möbel als Ausdruck der Unternehmensphilosophie

    Ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Designpolitik ist die Firma Danerka A/S, die sich in den letzten Jahren vom traditionellen Möbelhersteller zum Trendsetter im Möbeldesign gewandelt hat. ”Es ist eine ganz bewusste Strategie”, so Geschäftsführer Per Aagaard Jepsen. ”Ende der 90er konnten wir erkennen, dass eine ganz neue Richtung notwendig war, um uns zu differenzieren und alle unsere Kompetenzen beim Design und der Produktion von Qualitätsmöbel zu zeigen“. In der Anfangszeit hat sich das Unternehmen auf robuste und funktionale Schalenstühle beschränkt. In den letzten Jahren wurde dann die Zusammenarbeit mit international anerkannten Designern erweitert, um wirklich unverwechselbare Möbel zu entwerfen. Man konzentriert sich jetzt auf die schreibtischfreien Bereiche im Unternehmen, wo persönliche Beziehungen geknüpft werden. Die Marke versteht sich als Mittel, die jeweilige Unternehmenskultur zum Ausdruck zu bringen. Der klassische Funktionalitätsbegriff ist also um einen wesentlichen Aspekt erweitert worden: den der Unternehmenskommunikation nach innen und außen. „Möbel definieren auch, wie Menschen miteinander umgehen und zusammenarbeiten. Das bedeutet, dass Möbel einen erheblichen Einfluss auf viele Faktoren haben – von der Art und Weise, wie Besprechungen ablaufen, bis zum Kontakt der Mitarbeiter untereinander. Und letztendlich auch darauf, ob im Arbeitsalltag strikte Geschäftsgrundsätze oder menschliche Werte vorherrschen“, so erläutert Danerka seine Unternehmensphilosophie. Möbel als Ausdruck der Firmenkultur – das ist in gewisser Weise eine „typisch dänische“ Betrachtungsweise.

    Auch Niels Hvass und Christina Strand, Designer der Firma Four Design, betonen die Möglichkeit, mit Möbeln die Firmenkultur zum Ausdruck zu bringen. Dazu gehört heutzutage ein hohes Maß an Variabilität. Das bedeutet zum einen die Möglichkeit, unterschiedlichste Materialien und Farben zu wählen und sie so an das Firmen- CI anzupassen. Zum anderen betonen Strand und Hvass die funktionelle Anpassungsfähigkeit ihrer Möbel an Situationen und Bedürfnisse im Unternehmensalltag.

    Niels Hvass ist Vorreiter der Erneuerung im dänischen Möbeldesign, die Anfang der 90er Jahre begann. Er ist einer der aktuell am häufigsten diskutierten und preisgekrönten jungen Möbeldesigner, denn er gehört zu denen, die es verstanden haben, dänischem Möbeldesign eine neue Formensprache zu geben. „Ich gestalte Möbel, weil ich es einfach nicht lassen kann – besonders mit Stühlen werde ich nie fertig. Bei meiner Designarbeit ist mir immer bewusst, dass Möbel für die Nutzer geschaffen werden. Sie müssen komfortabel und funktionell sein, aber sie sollen auch eine Funktion haben, wenn sie nicht in Gebrauch sind. Möbel müssen auch Räume, Atmosphäre, Image und Identität schaffen. Sie sollen die Zeit reflektieren, in der sie entstanden sind, und manchmal auch die Person, die sie kauft oder nutzt“.

    Möbel müssen emotional berühren

    Für Niels Hvass besteht darum gutes Design darin, praktische Funktion und künstlerischen Ausdruck zu einem Ganzen zu vereinen, das uns mental berührt. „Wenn wir von Design nicht berührt werden, ist es sinnlos und gleichgültig. Mit anderen Worten: es ist nicht genug, dass die Möbel, witzig, schick oder topmodern sind – sie müssen eine originale Idee beinhalten und ihre physische Funktion optimal erfüllen. Sie sollen Charakter und Persönlichkeit haben“, sagt Hvass, der u. a. mit dem Dänischen Möbelpreis und mit dem Essener Red Dot Award ausgezeichnet wurde. Er gehört auch zu den Designern der renommierten Firma Fredericia Furniture, die ebenfalls zu den Ausstellern in Stuttgart zählt.

    Fredericia ist unter anderem Auftraggeber des neuen, formvollendeten Schalenstuhls AGITARI, der von Peter Karpf entworfen wurde. Seine schlanke, elegante Holzschale und die vier markanten Ecken geben dem Stuhl einen spektakulären Charakter. Sein Erscheinungsbild erinnert an ein leichtes Stück Stoff, das sanft im Wind weht. Daher stammt auch der lateinische Name AGITARI; er bedeutet „Dinge, die im Wind flattern”. Der Stuhl ist Ergebnis langjähriger Pionierarbeit, die Peter Karpf dem Patentfurnier gewidmet hat. Das interessante Material eröffnet viele Anwendungsmöglichkeiten. Hier ist jetzt eine Holzschale mit minimaler Dicke und höchstem Sitzkomfort entstanden.

    Innovative Leuchten präsentieren unter anderem die Firmen Louis Poulsen und Lightyears, deren Designerin Cecilie Manz gleichzeitig zu den erfolgreichsten Möbeldesignerinnen Dänemarks gehört.

    Die Aussteller in Stuttgart sind Montana, Bent Krogh, Borks, Fritz Hansen, Globe Furniture, Holmris Office, Montana, Omann, One Collection, Danerka, Fredericia Furniture, Lightyears, Louis Poulsen und Sorø Møbler (spezialisiert auf Rezeptionen).

    Wechselwirkungen von Architektur und Objektdesign

    Architektur und Objektdesign sind zwei Disziplinen, deren Entwicklungen von großem gegenseitigem Interesse und von intensivem gegenseitigem Einfluss gekennzeichnet sind. Nicht selten sind Architekten auch (Möbel-)Designer, und noch öfter wurden Möbelklassiker ursprünglich für ein ganz bestimmtes Gebäude entworfen. Diese Wechselwirkung spiegelt sich in der Konzeption der Stuttgarter Ausstellung, in der auch zehn dänische Architekturbüros Beispiele ihrer jüngsten Arbeiten zeigen.

    Zu den Ausstellern gehört die Bjarke Ingels Group (BIG). Bjarke Ingels: „Wir verstehen uns als Mittler zwischen verschiedenen Auffassungen. Geschichtlich gesehen bewegt sich die Architektur ja zwischen zwei Extremen. Auf der einen Seite stehen die Künstler mit verrückten Ideen und naiven Utopien. Philosophisch und faszinierend, sind sie aber leider oft sehr weltfremd. Das Lager der puristischen Pragmatiker hingegen entwickle zwar nützliche, aber eher vorhersehbare und formal langweilige Lösungen. Wir glauben, dass es einen dritten Weg gibt“, sagt Bjarke Engels, der Gründer und Geschäftsführer von BIG „entweder in dem Niemandsland dazwischen oder in einer kleinen, aber fruchtbaren Schnittmenge.“ An der Realisation dieses dritten Weges arbeiten in seinem Kopenhagener Büro über 80 Architekten, Designer, Bauingenieure und „Denker“. Seine städtebaulichen und architektonischen Statements gelten als unkonventionell, manchmal radikal und häufig als erstaunlich simpel.

    In der Ausstellung „Die Wilden Jungen“ können Sie sich über aktuelle Arbeiten von zehn dänischen Architekturbüros informieren. Diese sind C. F. Møller, schmidt hammer & lassen, 3XN, Arkitema, Vilhelm Lauritzen, Henning Larsens Tegnestue, Dissing+Weitling, Dorte Mandrup Arkitekter, Lundgaard & Tranberg, Bjarke Ingels Group.

    Veranstalter

    Die Ausstellung wird veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Design Center Stuttgart, dem Regierungspräsidium Stuttgart, dem Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, dem Exportrat des Dänischen Außenministeriums und dem Kgl. Dänischen Honorarkonsulat Stuttgart.

    Kontakt und Fotos:
    Lis Nørgaard
    Denmark Business Consulting
    Ringstr. 44, 50996 Köln
    Tel. 0221 3596 228
    Email: info@denmarkconsulting.de