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  • Mia Seeger Preis 2011 Preisträger

    Ergebnisse Mia Seeger Preis 2011
    Im Rahmen von Focus Open

    Für den diesjährigen Mia Seeger Preis reichten Studenten von 33 deutschen Hochschulen insgesamt 84 Exponate und Produkte ein. Studien- und Diplomarbeiten als 3D-Modelle oder grafische Darstellungen, visuell dokumentarisch aufbereitet, hatten sich dem kritischen Urteil der Jury zu stellen. Zur Teilnahme eingeladen waren Designerinnen und Designer von deutschen Hochschulen, die ihren Abschluss 2009 oder später absolviert haben. Vertreten waren die Studiengänge Industriedesign / Produktgestaltung, Innenarchitektur / Möbeldesign, Architektur, Investitionsgüter- und Transportation Design. Der Wettbewerb war mit insgesamt 10.000 € ausgelobt.

    Die Jury entschied sich einstimmig für zwei gleichwertige Exponate zweier Studenten, denen jeweils 5.000 € Preisgeld zugesprochen wurde. Zusätzlich vergab sie fünf Anerkennungen. Die Bewertung erfolgte nach den gängigen Designkriterien, allerdings mussten die beim Mia Seeger Preis erfolgreichen Produkte auch noch zusätzliche Qualitäten bieten: Der soziale Nutzen sowie die Nachhaltigkeit der Produkte spielten bei der Beurteilung die entscheidende Rolle.

    An der Jury wirkten in diesem Jahr mit:
    Prof. Karin Kirsch, Beiratsvorsitzende der Mia Seeger Stiftung, Stuttgart
    Margarete Wies, Mercedes-Benz Design, Leiterin Mercedes-Benz Style & Design Strategy, Sindelfingen
    Prof. Ulrich Hirsch, Design & Identität, Brügge (Schleswig-Holstein)
    Peter Keilbach, 1991 Preisträger und Stipendiat der Mia Seeger Stiftung, keilbach design and products, Dörzbach
    Leo Lübke. Geschäftsführender Gesellschafter der beiden Möbelhersteller COR und interlübke, Rheda-Wiedenbrück

    Zur Mia Seeger Stiftung

    Die Mia Seeger Stiftung feiert in diesem Jahr ihr 25 jähriges bestehen. Mia Seeger (1903 – 1991) als „Grande Dame“ des Designs rief bereits 1986 die nach ihr benannte Stiftung ins Leben, deren Zweck die Förderung der Bildung im Design ist. Mit der Absicht, insbesondere den Nachwuchs zu fördern, wird der Mia Seeger Preis jährlich bundesweit ausgeschrieben. Preise und Anerkennungen beim Mia Seeger Preis sind hervorragende Referenzen für junge Designer, die unter anderem den Weg in den Berufseinstieg ebenen können. Die Publikation im weltweit vertriebenen Jahrbuch sowie die Präsentation der ausgewählten Exponate bieten neben der finanziellen Förderung ein zusätzliches Plus für die ausgezeichneten Juniordesigner.

    Ausstellung  in Ludwigsburg im Rahmen von „Focus Open“:

    Ausstellungslaufzeit:
    15. Oktober bis 27. November 2011

    Mia Seeger Preis 2011
    5.000 €

    Sigecco – Temporäres Fixieren auf Großbaustellen

    SIGECCO mit Gurt auf Beton

    Entwurf: Peer Büscher, Ober-Ramstadt
    peer.buescher@design-buerozwo.de
    Hochschule: Hochschule  Darmstadt, University of Applied Sciences
    Betreuung: Prof. Tom Philipps Studium
    Studium: Industriedesign, Diplom 2010

    Ein ‘Lufthaken’ käme den Bauleuten sehr zupass. Wenn es wenigstens eine handtellergroße Scheibe gäbe, die überall an Wand und Decke im Rohbau hielte, um daran all die Kabel, Leitungen, Absperrungen, Schilder, Lampen, Gerätschaften, die der Baubetrieb vorübergehend braucht, zu hängen, dazu Gurte als Haltehilfen. ‘Anschlagpunkt’ nennt es der Mann vom Fach. Forscher und Techniker sind jetzt mit Klebefolien nah dran, die Haftkraft an den Füßen des Geckos nachzuahmen. Damit ausgerüstet, hebt ‘Sigecco’ den Traum vom Halt aus der Luft nahezu ins Machbare.

    Jury: Auf Baustellen, großen zumal, kreuzen sich Feines und Grobes, Intelligibles und Hemdsärmeliges. In ‘Sigecco’ umschließen sie einander konzentrisch: in der Mitte Andruck (von vorn) und Festhalten (per Nano auf der Rückseite); dann ein Ring für Information, auch für Warnung; und außen herum Schutz vor Stoß und Schmutz. Zusammen mit Spann- und Lasthebegurten, Gurtmanschetten, Klemmleisten, Leuchten, Schildern und Montageschablonen löst der Entwurf des Anschlagpunkts gravierende Probleme des Baubetriebs: stiftet Ordnung, rationalisiert Abläufe, sorgt für Sicherheit.

    Mia Seeger Preis 2011
    5.000 €

    Wolt_Marko_Mueller_Images_01

    Wolt – Windkraft im Weinberg

    Entwurf: Marko Müller, Hockweiler
    muellermarko@gmx.de
    Hochschule: Hochschule Darmstadt / University of Applied Sciences
    Betreuung: Prof. Tino Melzer
    Studium: Industriedesign, Diplom 2010

    Windkraft aus dem Weinberg? Mit Hunderten von Elementen, die auf der ‘Windbelt’-Technologie gründen, ist es möglich. Über einen langen Bügel ist ein schmales Band gespannt; daran sind zwei Magnete befestigt. Wenn der Wind das Band zum Flattern bringt, tauchen die Magnete in Spulen ein und induzieren Wechselstrom, der gleichgerichtet in die Verschaltung der Windbelts eingespeist wird. Die Windenergie-Elemente lassen sich einfach mit Kabelbindern an den Weinbergpfosten befestigen, und die Verkabelung wird an den Spanndrähten entlang geführt.

    Jury: Gestalterisch zurückgenommen, integriert sich ‘Wolt’ in Dimension und Betrieb perfekt in vorhandene Weinberganlagen und stört weder den Weinbau noch das Landschaftsbild. Durchweg ist beim Entwurf auf einfache, weitgehend selbst erprobte Technik und kostengünstige Herstellung geachtet, und darauf, dass die Anlag  mit geringem Aufwand zu installieren, überwachen, warten, reparieren und recyclen ist. Mit findiger Sorgfalt, bescheiden, aber unmissverständlich ist bezeichnet, wie Energiewende auch aussehen kann.

    Mia Seeger Preis 2011
    Anerkennung

    küche

    Bambino – das Kind als Patient. Entwicklung und Gestaltung eines pädiatrischen Krankenbettes

    Entwurf: Daniela Colaianni, Nürnberg
    mail@danielacolaianni.de
    Hochschule: Hochschule Coburg / University of Applied Sciences
    Betreuung: Prof. Peter Raab in Kooperation mit Siemens AG
    Studium: Integriertes Produktdesign, Diplom 2011

    Ein Krankenhaus ist keine Reparaturanstalt, erst recht nicht für Kinder. Das fängt am Bett an. Besser, es kann in Länge, Höhe und Liegegeometrie auf ihre Körpergröße, Behandlung und Bedürfnisse ver- und eingestellt werden, und eine textile, durchscheinend verwobene Seitenbespannung bietet Sicherheit. Es passt sich an der Kopfseite ein in ein wandmontiertes
    Kastenmöbel, das verschiedene Ablagen vorsieht, alle Medienanschlüsse enthält, dazu Stauraum für medizinisches Material und persönliche Sachen, außerdem eine ausklappbare Liege, auf der ein Elternteil sitzen, ruhen, auch beim Kind übernachten kann. Wenn das Kinderbett nicht belegt ist, verschwindet es zusammengeklappt fast ganz in seiner Nische.

    Jury: Materialien, Konfiguration und technische Ausstattungen sind so bemessen, dass sie im Krankenhausbetrieb leisten, was er verlangt, auch im Blick auf die Kosten. Dem behandelnden Personal werden Arbeitsaufwand und -ablauf erleichtert. Vor allem aber ist Wert darauf gelegt, dass Eltern bei ihrem kleinen Patienten sein können, lang am Tag und über Nacht. Die Formensprache der Möbel und das Farbkonzept Weiß-Grün-Braun vermitteln eine frische Atmosphäre heiterer Zuversicht: „… wohlan, mein Kind, gesunde!“

    Mia Seeger Preis 2011
    Anerkennung

    liege

    First Aid – Hilfe für den Helfer

    Entwurf: Carine Collé, Sanem (Luxemburg)
    ca.colle@gmail.com
    Hochschule: Hochschule Pforzheim / University of Applied Sciences
    Betreuung: Prof. Jürgen Goos und Prof. Dipl.-Ing. Ralph Schieschke
    Studium: Industrial Design, Bachelor of Arts 2011

    Doppelt schwer hat’s der Rettungsdienst, wo er den Kranken zu Fuß tragen muss. Da hilft es, wenn
    der vordere Träger die Last am Rücken in eine schienenbewehrte Weste einhängen und gelegentlich, z.B. an Türen, einen Handgriff loslassen kann. Der hintere Träger aber erfährt Entlastung nur durch einen Bauchgurt. Er muss mit beiden Händen an den Griffen bleiben, den Getragenen überwachen und den Transport dirigieren. Um besonders enge Situationen, in Treppenhäusern z.B., meistern zu können, sind die Griffgestelle nach Sattelschlepperart mit der Trage verbunden.

    Jury: Die Anpassung an den Körperbau machen bei Weste und Gürtel eine komplexe Struktur
    elastischer und zugfester Bänder, stützender und polsternder Stoffe, belastbarer Armierungen, verstellbarer Schlaufen und klickender Verschlüsse notwendig. Moderne Materialien und vielfach verfügbare Accessoires erleichtern die Aufgabe. Indem die Entwerferin den Weg der Retter in allen Eventualitäten und Beschwernissen nachspürte, hat sie ihnen eine gesundheitlich zuträglichere Lösung vorgeschlagen – eine, die sich auch auf gängige Tragbahren übertragen läßt.

    Mia Seeger Preis 2011
    Anerkennung

    Stuhl

    De Care – Decubitus Healthcare

    Entwurf: Cristian Costoiu,  Vechta
    cristiancostoiu@msn.com
    Hochschule: Muthesius Kunsthochschule Kiel / Muthesius Academy of Fine Arts and Design Kiel
    Betreuung: Prof. Thomas Feichtner und Prof. Dr. Norbert Schmitz
    in Kooperation mit Porsche Design Studio
    Studium: Industriedesign, Bachelor of Arts 2011

    Wund vom Liegen. Da verlangt es den Dekubituskranken doch sehr nach einer Matte, die ihn an befallenen oder gefährdeten Stellen entlastet, den Druck umverteilt und sonst gesundes Gewebe rhythmisch stimuliert. Die EAP-Forschung in der Schweiz macht ihm berechtigte Hoffnung auf Linderung mit einer Matrix aus kleinen, einzeln ansteuerbaren elektroaktiven Polymerkissen. Sie ist als Auflage für einen Pflegesessel gedacht, der im übrigen so konzipiert ist, dass der Patient in alle
    Lagen zwischen Liegen, Sitzen und Stehen gebracht und nach Bedarf gefahren werden kann.

    Jury: Erstaunlich, welche Menge an Steuerelektronik, Verstellmechanik und Servotechnik in ein derart schlankes Gestell und in so flache Polsterschalen hineinpasst. Für Bedienelemente wie Interface, Schiebebügel oder Stellknöpfe sind flächenbündige Lösungen gefunden. Nichts beeinträchtigt die klaren Konturen des Möbels, das sich in Linienführung, Farbgebung und
    Materialwahl jederzeit in ein modernes wohnliches Umfeld einfügt. Alles ist auf hochwertige Anmutung gerichtet. Nichts stigmatisiert den Nutzer.

    Mia Seeger Preis 2011
    Anerkennung

    Flieger

    Emergency Airdrop – Hilfsgüterabwurf

    Entwurf: Adrienne Finzsch, Darmstadt
    afinzsch@aol.com
    Hochschule: Hochschule Darmstadt / University of Applied Sciences
    Betreuung: Prof. Tom Philipps
    Studium: Industriedesign, Vordiplom 2010

    Eine Verpackung mit Flügeln – wie bei den Samen von Ahorn oder Linde. Dann stürzt die wertvolle Fracht, wenn sie vom Flugzeug aus über Katastrophengebieten abgeworfen wird, nicht wie ein Stein vom Himmel, sondern trudelt im stabilen Rotationsflug zu Boden. Zum Transport wird der eigentliche Container in die geflügelte Umverpackung eingehängt. Wie
    Hasenohren stellen sich da die Flügel auf. Beim Abwurf breiten sie sich wieder aus. Zwischen Containerboden und Umverpackungsboden stellt sich wieder der alte Abstand her. Das dämpft den Aufprall bei der Landung.

    Jury: Beste Bionik, verbunden mit Transformationstechnik und Pop-up-Mechanik. Schritt für Schritt ist die Grundidee nach den Gegebenheiten des Hilfseinsatzes entfaltet und ausgestaltet: eine Packungsgeometrie, die den Frachtraum besser nutzt; Verpackungsmaterial aus Altpapier, das durch Wachsbeschichtung wetterbeständig wird; Aufschrift und Symbolik, die den Inhalt kennzeichnen und die Verteilung erleichtern. Am wichtigsten aber ist, dass der passive Schraubenflug die bisher hohen Verluste beim Abwurf von Hilfsgütern drastisch vermindern kann.

    Mia Seeger Preis 2011
    Anerkennung

    knödler

    Elliot – Rettungsfahrzeug mit Ersthelferstation für Katastrophengebiete

    Entwurf: Stephanie Knödler, Schechingen
    stephanie.knoedler@gmx.de
    Hochschule: Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd / University of Applied Sciences
    Betreuung: Prof. Dr. Jürgen Held und Prof. Peter Stebbing
    Studium: Produktgestaltung, Bachelor of Arts 2011

    Schlimm sind großflächige Katastrophen auch deshalb, weil die Wege zu den Opfern weit und unwegsam sind. Es geht also nicht ohne ein geländegängiges Rettungsfahrzeug. Es fährt nahe an die Schwerverletzten heran. Die Helfer errichten mit dem mitgebrachten Container und dem darin mitgeführten medizinischen Material außerhalb des Fahrzeugs eine Ersthelfer-Station, die dann noch mit Schutzdach und Trinkwasseraufbereitung versehen werden kann. Danach dann dient das Fahrzeug dem Transport von geborgenen Verletzten zur Station und, sobald sie dort provisorisch versorgt sind, weiter zum Not-Hospital.

    Jury: Die Aufgabenstellung leitet sich ab aus der Einsicht, dass Katastrophenhilfe wesentlich ein Problem der Infrastruktur ist. Darum widmet sich der Entwurf einem Fahrzeug, das die Hilfsmittel der medizinischen Versorgung mitbringt und dann weiter als logistisches Vehikel zur Verfügung steht. Damit baut er an der Gesamtstruktur, sich in diese einfügend, zugleich mit. Mit seiner kompakten Bauweise und vielen detaillierten Ausstattungsmerkmalen ist das Fahrzeug auf einen flexiblen Einsatz unter unwirtlichen Umständen hin konzipiert.